Alessandro Fongaro: Neither More Nor less
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Mainland Records LTMRM18
Der Bassist und Komponist Alessandro Fongaro präsentiert das vorliegende Album gemeinsam mit seinen Bandkollegen, dem niederländischen Saxofonisten Donald Simoen, dem italienischen Gitarristen Federico Castelli, dem aus Belgien stammenden Pianisten Thomas Maasz und dem ungarischen Drummer Attila Gyarfas.
Alessandro Fongaro (1991, Valdagno, Italien) lebt in den Niederlanden, wo er auch studierte. 2013 formte er ein Quintett und übernahm dabei die Rolle des Bandleaders. Fongaro gewann den Erasmus Jazz Prijs 2014 und The Records, einen Wettbewerb, der durch die Keep an Eye Foundation unterstützt wurde. Als Sideman stand Fongaro mit Jasper Blom, Mark Schilders, Reinier Baas, Koen Schalkwijk, Stephanie Francke und anderen auf der Bühne. Nach dem Erlangen des Bachelors studierte Fongaro nachfolgend in Amsterdam, um dort seinen Master zu machen. Im Amsterdam lebt er auch zurzeit.
Eröffnet wird das Debüt-Album mit dem Titel „Five Month“, ehe „Neither More nor Less“ - Titel des Albums! - erklingt. Zu hören sind „The Traveller“ ebenso wie „Waterfall“ und „Home“. Den Schluss bildet die Komposition „Blues Not“. Verantwortlich für alle Kompositionen zeichnet im Übrigen der Bassist Alessandro Fongaro.
Balladenhaft erscheint „Five Month“. Dabei prägt das Saxofon in den Händen von Donald Simoen die Hörfarben, auch wenn die Rhythmusgruppe durchaus zu Wort kommt, und Piano und Bass ihre hervorspringenden Akzente ausgiebig zu setzen wissen. Hier und da schnarrt der Bass, derweil auf dem Piano Klangkaskaden erzeugt werden. Dann, ja dann treten wir kleine Fluchten mit dem Saxofon an, das uns gleichsam auf einem fliegenden (Klang)teppich entführt. Nachfolgend geben wir uns „Neither More Nor Less“ und dem sehr ohrschmeichlerischen Gitarrenklang hin, der Federico Castelli zu verdanken ist. Gefolgt wird dieser vom säuselnden Saxofonspiel, ehe dann Castelli solistisch brilliert, die Saiten schwingen lässt und uns ein sehr buntes Klangspiel schenkt. Dem kann man sich hingeben, dabei auch alles rundherum vergessend. Auch der Pianist Thomas Maasz darf sich solistisch vorstellen, denn der Bandleader Alessandro Fongaro drängt sich selbst nicht auf, sondern schafft in seinen Kompositionen Freiräume für seine Mitmusiker. Ihre Phrasierungen und Paraphrasierungen sind wesentlicher Bestandteil der vorgetragenen Stücke.
Folgen wir dem musikalischen Reisenden – man höre sich „The Traveller“ an –, dann haben wir gleich zu Beginn des Stücks ein Gefühl der Weite und uns überkommt die Vorstellung, einer rasanten Fahrt durch wellige Landschaft, die an unseren Augen vorbeizieht – dank sei dem Spiel von Donald Simoen. Einhalt mahnt Fongaro an, wenn er seinen Bass zupft. Da macht sich dann Bedächtigkeit breit, so als seien Pausen beim Reisen essenziell und nicht nur der Weg das Ziel. Umtriebig zeigt sich der Pianist, der uns antreibt, von Ort zu Ort zu ziehen. Da scheint sich Highlight an Highlight zu reihen. Luft zum Atemholen gewährt uns Thomas Maasz kaum.
Nein, beim Hören von „Waterfall“ hat man nicht den Eindruck riesiger zu Tal schießender Wassermassen. Eher scheint das Wasser über schmale Kaskaden zu rinnen. So denkt man beim Zuhören an Stromschnellen und weniger an grandiose Wasserfälle wie die Niagara Falls oder Iguazú. Meldet sich der Bass zu Wort, dann scheint der Wasserfall gar zu einem zäh dahinfließenden Rinnsal zu mutieren. Hat man dem Wasserfall das Wasser abgegraben? „Blues Not“ ist die wohl am ehesten dem Jazz Rock verwandte Komposition des Albums. Da röhrt, fetzt, grummelt, schwirrt und rumort es. Rabatz scheint angesagt. Leise Töne sind weitgehend Fehlanzeige, aber nur weitgehend, da der Charakter der Komposition sich dann ändert, wenn die Rhythmusgruppe alleine agiert und versprungene Tastenklänge an das Ohr des Zuhörers dringen. Sobald allerdings Saxofon und Gitarre mit im Boot sind, wirkt das Stück eher rockig-frech. Es scheint so, als habe Fongaro, den (Rock)Geist aus der Flasche gelassen.
Text © ferdinand dupuis-panther
Informationen
Label
mainland records
http://www.mainlandmusic.nl/records/
Alessandro Fongaro
http://alessandrofongaro.altervista.org/?doing_wp_cron=1486988574.9763898849487304687500